Jahresbericht 2007
Jahresbericht 2007
Unsere Projekte 2007 :
1. Life Skills Programm für Maasai Mädchen in Kenia
Wie schon im letzten Jahresbericht angekündigt, hat die Stiftung im Juli 2007 eine zweite Spende in Höhe von € 2.700 für das Life Skills Programm für Maasai Mädchen zugesagt. Über den Maasai Girls Education Fund (MGEF - Washington, DC und Nairobi/Kenia), und in Zusammenarbeit mit dem Kenia Roten Kreuz, wurden bisher sechs drei-tägige Workshops an verschiedenen Orten im Kajiado District in Kenia (in dem 2/3 aller Maasais leben) finanziert, mit denen jungen Mädchen Life Skills beigebracht werden. Insbesondere werden den Mädchen, die zehnjährig und älter sind, die Probleme früher Schwangerschaften, früher Heiraten, leichtfertiger sexueller Praktiken und der Ansteckung mit HIV/AIDS klargemacht, und es werden Möglichkeiten und Praktiken weitergegeben, mit denen die Mädchen solche Probleme verhindern oder vermeiden, und so ihre Schulausbildung fortsetzen und erfolgreich beenden können.
Die Workshops wurden erfolgreich durchgeführt. Die Mädchen haben voll und mit Begeisterung mitgearbeitet und zugesagt, dass sie ihre Erfahrungen auch mit ihren Schwestern und Freundinnen besprechen und teilen werden. Erstaunlicherweise haben sich kurz nach den Workshops (die immerhin Themen aufgreifen, die in der kenianischen Gesellschaft eigentlich tabu sind) einige der örtlichen Chiefs und Elders gemeldet und darum gebeten, dass man ihnen ebenfalls die soziale und wirtschaftliche Problematik von kulturellen Praktiken wie weiblicher Beschneidung, Polygamie, Promiskuität erklärt. Die Chiefs haben in der Maasai Kultur die absolute Autorität, und ihr Verständnis und ihre Unterstützung für die Ziele der Workshops sind essentiell für eine erfolgreiche Tätigkeit. Der MGEF bietet jetzt auch eine eintägige Version des Workshops für Chiefs und Elders an.
Die zweite Tranche hat zwischen Juli 2007 und Juni 2008 sechs weitere Workshops in fünf Divisions im Kajiado District (Central -2, Ngong, Magadi, Loitokitok, Namanga) finanziert. In mehreren der kürzlich abgehaltenen Workshops waren auch die Mütter der Mädchen einbezogen. Anstelle des Roten Kreuzes wird in Zukunft der MGEF Stab in Nairobi die Workshops durchführen, mit Hilfe u.a. eines Videogerätes, das von uns mitfinanziert wird und das auch für zukünftige Workshops zur Verfügung stehen wird.
Die Leiterin des MGEF hat uns eine sehr überzeugende und emotionale Rückmeldung über die Wirkung ihres Projekts einschließlich der von uns geförderten Workshops geschickt:
“I am beginning to see changes in the Kajiado District that are very encouraging. One of our college students openly addressed “female genital mutilation” at our annual general meeting in February. I was actually shocked by it, as it is considered a taboo topic generally, and certain in a mixed-gender, mixed-age group gathering. During that part of her speech she looked directly at the row of chiefs seated in the front of the audience and said “we must stop circumcising our daughters,” and then turning to the students she said “when you go home, don’t let your parents do that to you.” The Chiefs–we pay transportation costs for 14 chiefs to come to our annual meetings–applauded her. Another man also spoke at the meeting and, with tears in his eyes, said “we must stop forcing our daughters to marry,” as he told a story of a girl that was killed because she refused to marry. It is difficult to express how I felt during these emotional speeches, but in that room on that day hope was pulsating. I am sure there are many things that led to such dramatic expressions of changing attitudes and unprecedented courage, including greater numbers of girls getting an education, and yes, workshops that empower women, and perhaps a few educated women demonstrating the economic value to their families and communities of educating women.”
2. Grundschulausbildung für Untouchables Kinder in Tamil Nadu, Indien
Im Juli 2007 hat die Stiftung eine Spende von € 2.500 für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Unser Partner (Just Organization for Natural Growth (JONG)) ist eine private Sozialdienst-Organisation (registriert unter dem Indischen Charitable Trust Act, mit Not-For-Profit-Status) mit christlicher Orientierung, die unterprivilegierten Menschen in Südindien unabhängig von Kaste, Religion, Geschlecht oder Ethnie hilft, mit Fokus auf der Entwicklung von Kindern sowie der Unterstützung von Frauen und Alten. Der JONG Präsident, Martin Richard Raju, ehemals katholischer Priester, hat 1989 an der Bharathidasan Universität den Master of Arts in Social Work erworben und 1997 JONG gegründet. Aus der (geprüften) Gewinn- und Verlustrechnung für 2005/2006 ergibt sich, dass JONG in dem Jahr ca. € 25.000 für Kinder- und Frauenprogramme ausgegeben hat. Die Gelder kamen im Wesentlichen von privaten Organisationen in Österreich (KFB), USA (Right Sharing of World Resources), Irland (Combined Service Third World Fund) und den Niederlanden (Edukands Foundation), aber auch von staatlichen und privaten indischen Stellen.
JONG wurde gegründet, um den Angehörigen zweier “Untouchables” Gemeinden (im Wesentlichen Dalits und Valayar) in einem abgelegenen landwirtschaftlichen Bezirk in Südindien, um die sich bis dahin keine Hilfsorganisation gekümmert hatte, bei ihrer Selbstentwicklung zu unterstützen. Die Angehörigen der Gemeinden sind Kleinbauern oder landwirtschaftliche Arbeiter auf den Höfen von Menschen, die höheren Kasten angehören. Viele der Männer der Gemeinden sind in die Städte gezogen, um dort Arbeit zu finden. Neben Lese- und Schreibprogrammen für alle Altersstufen bietet JONG Basisinformationen, Motivationstraining und sogenannte “Life Skills” Schulung mit dem Ziel nachhaltiger Entwicklung an. Die Kinder werden vor allem darauf vorbereitet (durch Computer-, Mechaniker- und Schneiderei-Ausbildung und durch Führerscheintraining), in der örtlichen Textilindustrie vernünftig bezahlte Arbeit zu finden. Den Frauen hilft JONG, Selbsthilfegruppen und Mikro-Kreditprogramme aufzubauen. Die Selbsthilfegruppen sind auch bei der Auswahl der auszubildenden Kinder beteiligt. Da auch die Eltern weder lesen noch schreiben können, wuchsen die Kinder in der Vergangenheit ohne jede formale Erziehung auf. Heute – dank JONG – haben alle Kinder der Gemeinden Zugang zu einer von 10 Grundschulen. Aber die Kinder brauchen Unterstützung bei ihrer Schulausbildung, die ihre Eltern ihnen wegen mangelnder eigener Ausbildung und ungenügender physischer Voraussetzungen (z.B. keine Elektrizität in den Häusern) nicht geben können; JONG hat 25 Erziehungszentren aufgebaut, in denen freiwillige Lehrer die Kinder bei ihren Hausaufgaben anleiten.
JONG kooperiert mit anderen NGOs (vor allem Menschenrechte- und Umweltschutz-ausgerichtet), und die beiden Untouchables Gemeinden arbeiten heute auch bei Baumpflanzungskampagnen und Aktionen gegen Wald-Rodungsprogramme der Regierung mit. JONG ist aktives Mitglied des regionalen Kinder-Wohlfahrts-Komitees und des Komitees gegen Kinder-Prostitution.
JONG hat einen Vorstand von 7 Personen (darunter zwei Sozialarbeiter, zwei Ärzte, zwei Lehrer und ein Buchhalter), 17 graduierte oder post-graduate Mitarbeiter (mit Ausbildung u.a. in Landwirtschaft und Tierzucht, Soziologie, Kinder-Gesundheit und Ernährung, Sozialarbeit, Familien-Counseling und Buchführung), sowie mehr als 20 Freiwillige. JONG hat ein offenbar funktionierendes internes Evaluierungs- und Kontrollprogramm, das alle drei Monate den Fortschritt prüft und jährliche Berichte anfertigt.
Das von uns geförderte Projekt wird für die 25 von JONG aufgebauten Erziehungszentren Lehrer-Anleitungsbücher, Wandtafeln und Allgemein-Wissensbücher, Quiz- und Lesebücher anschaffen. Die geschätzten Kosten für diese Anschaffungen liegen bei ca. 142.500 Indischen Rupien, was ca. € 2.500 entspricht. Mit etwa € 100 pro Erziehungszentrum ist das Projekt eher bescheiden. Dieses Projekt ist Teil eines Gesamt-Programms, das über drei Jahre ca. € 60.000 in Ausbildungsstätten investieren wird. Die Erziehungszentren und die Lehrkräfte scheinen bereit zu stehen, so dass unser Projekt erfolgreich durchgeführt werden kann, selbst wenn die Finanzierung des Gesamtprogramms sich verzögern sollte.
3. Bau eines Klassenzimmers für die Vorschulklasse der Adiedo Primary School in Omboga, Kenia
Für dieses Projekt hat die Stiftung im August 2007 eine Spende in Höhe von € 2.700 zur Verfügung gestellt. Adiedo Primary School wurde 1936 von Missionaren gegründet. Omboga ist ein Distrikt mit besonders hoher Zahl von HIV/Aids Todesfällen, und mehr als 60% der Grundschulkinder sind Waisen. Die gesamte Schule wurde vor kurzem durch einen Sturm schwer beschädigt und die Schulgemeinde, mit finanzieller Hilfe von staatlichen und karitativen Stellen, arbeitet hart am Wiederaufbau. Schon vor dem Sturm gab es nur ein Klassenzimmer für die Kindergarten- (4 Jahre) und Vorschulklassen (5 Jahre). Da in der Vorschulklasse die akademische Arbeit beginnt, wollte die Gemeinde einen eigenen Klassenraum für sie bauen. Wie beim Wiederaufbau der Gesamtschule leisten die Gemeindemitglieder selbst die Hauptarbeit, aber sie müssen Maurer anstellen und die Materialien einkaufen. Kostenschätzung: KSh 250.000 = € 2700. Die Stiftung hat diesen Betrag voll übernommen. Die Widmung der Stiftungsgelder für den Vorschul-Klassenraum und damit die Trennung von anderen Ressourcen (z.B. für die anderen Reparaturarbeiten) ist zugesichert.
Der Bau des Klassenzimmers wurde schnell und innerhalb des Budgets durchgeführt, und das Klassenzimmer in Gebrauch genommen.
Derzeit läuft ein Antrag der Schulgemeinde auf eine zweite Spende, mit der die Möblierung des neuen Klassenzimmers und des Raumes für die Kindergartenkinder sowie eine Grundausstattung des Spielplatzes finanziert werden soll.
Die Gemeinde scheint besonders engagiert für die Ausbildung ihrer Kinder. Trotz des Rückschlages durch die Sturmschäden an ihrer derzeitigen Schule denken sie ernsthaft auch über den Bau einer Secondary School (zunächst als Tagesschule) nach, um ihren Kindern diese Fortbildung zu ermöglichen, die ihnen durch hohe Schulgebühren für den Besuch der bestehenden Secondary Boarding Schools praktisch verschlossen ist.
Träger des Projekts, und damit unser Partner, ist das School Management Committee der Adiedo Primary School, dessen Mitglieder für Zwei-Jahres-Terms gewählt werden. Projekt-Kontrollen werden vom School Management Committee, dem District Education Officer, dem Erziehungs-Ministerium und der Kenya National Union of Teachers durchgeführt. Das School Management Committee berichtet regelmäßig an die Gemeinde und an die Behörden.
Die der Stiftung persönlich gut bekannte “Patronin” der Schule, Frau Dr. Angela Reitmaier, hat mehrere Jahre in Nairobi gelebt (ihr Ehemann war IMF-Repräsentant in Kenia) und ist derzeit in einer zweijährigen UN-Volunteer Tätigkeit im NEPAD Sekretariat in Nairobi. Sie ist Mitglied des School Management Committees und wird uns bei der Supervision des Projekts unterstützen.